Kalter Krieg (1945-1990)
Chronik der wichtigsten Ereignisse
12.03.1947: Truman-Doktrin03.04.1948: Marshall-Plan
24.06.1948: Berlin-Blockade
04.04.1949: Gründung der NATO
07.10.1949: Gründung der DDR
1950-1953 : Koreakrieg
10.03.1952: Stalin-Noten
14.05.1955: Warschauer Pakt
13.08.1961: Bau der Berliner Mauer
14.10.1962: Kubakrise
1964-1975 : Vietnamkrieg
12.11.1968: Breschnew-Doktrin
03.06.1972: Viermächteabkommen über Berlin
12.12.1979: NATO-Doppelbeschluss
1985&1986: Glasnost und Perestroika
12.09.1990: Zwei-plus-Vier-Vertrag
21.12.1991: Zusammenbruch der Sowjetunion
Einführungstext zum Kalten Krieg
Der Begriff "Kalter Krieg" ist höchstwahrscheinlich das erste Mal am 16. April 1947 in der Öffentlichkeit verwendet
worden. Der US-amerikanische Politikberater Baruch hatte damals in einer Rede den sich in der frühen Nachkriegszeit
anbahnenden Konflikt zwischen den USA und der UdSSR als "Kalten Krieg" bezeichnet. Durch das im selben Jahr
erschienene Buch "The Cold War" des US-amerikanischen Journalisten Lippmann, der die Baruch-Wortschöpfung
aufgenommen hatte, fand "Kalter Krieg" rasch Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch.
Ursprünge des Systemkonflikts zwischen Ost und West
Der Begriff stellt die formelhafte Beschreibung eines zwischen US-Amerika und der Sowjetunion herrschenden
Spannungsverhältnisses dar, das bis auf den direkt gegeneinander gerichteten, offenen Einsatz von militärischen
Kräften ("Heißer Krieg") viele Elemente eines kriegerischen Konflikts aufwies. Die Verwendung des Begriffs als
mögliche Vorstufe eines drohenden "Heißen Krieges" feindlicher Atom-Mächte implizierte auch das Szenario eines
apokalyptischen Weltuntergangs als Folge von Atom-Schlag und -Gegenschlag. Der Beginn des Kalten Krieges wird
in der Regel für 1946/47 datiert und das Ende spätestens mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 festgestellt.
Etliche Historiker und Politologen haben den Kalten Krieg aber auch bereits mit dem Beginn der Entspannungspolitik
Anfang der 1960er Jahre als beendet eingestuft.
Der Kalte Krieg stellte sich als Ausformung des seit Gründung des Sowjetstaates (1917) herrschenden Systemkonflikts
zwischen den Westmächten und der seit 1922 von Josef Stalin geführten Sowjetunion dar. Insbesondere in den USA waren
Anti-Kommunismus und Anti-Sowjetismus früh Kennzeichen der herrschenden politischen Meinung. Dieser durch den
Hitler-Stalin-Pakt 1939 verstärkte Systemkonflikt wurde im Zweiten Weltkrieg in der nach dem deutschen Überfall
auf die Sowjetunion und nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor 1941 entstandenen Kriegskoalition von USA,
Großbritannien und Sowjetunion bis 1945 vom gemeinsamen Kriegzielen überdeckt.
Die Gemeinsamkeit zerbrach nach den deutschen und japanischen Kapitulationen. Insbesondere bei den Fragen der
territorialen Neuordnung der Nachkriegswelt, dem Selbstbestimmungsrecht der östlichen Staaten Europas, sowie der
Ausgestaltung des Besatzungszonensystems, kam es zu ernsthaften Meinungsverschiedenheiten. Die anfängliche
Weigerung Stalins, die während des Zweiten Weltkriegs in den Nord-Iran einmarschierten Sowjet-Truppen
abkommensgemäß zurückzuziehen, hatte die erste bedeutende Konfrontation der beiden Mächte die Drohung von
US-Präsident Truman, gegebenenfalls Atomwaffen einzusetzen, zur Folge (Irankrise 1946).
Containement-Politik im Kalten Krieg
Unter dem Eindruck der Irankrise 1946 und in Hinblick auf die Unterstützung anti-kommunistischer Kräfte in der
Türkei und dem sich im Bürgerkrieg befindenden Griechenland, stellte Truman am 12. März 1947 die "Truman-Doktrin"
vor. Danach sollte den "freien Völkern" beigestanden werden, sich äußerem Druck zu widersetzen. Die Doktrin war
Teil der seit 1947 bestimmenden Containement-Politk (Politik der Eindämmung), unter der Federführung von
US-Außenminister Marshall. Die im Ansatz eher defensive, auf Bewahrung des Status Quo ausgerichtete Truman-Doktrin,
wurde zeitweise von der nach Trumans Nachfolger benannten "Eisenhower-Doktrin" (1957) abgelöst, deren
"Rollback"-Linie die Zurückdrängung bereits etablierter kommunistischer Einflüsse forderte. Aus sowjetischer
Sicht versuchten die USA unter dem Vorwand einer freihandelsorientierten "Politik der offenen Tür" eigene globale
Hegemonialbestrebungen zu verfolgen.
Im Ergebnis der US-sowjetischen Spannungen wurden Europa und weite Teile der übrigen Welt in sowjetische und
US-amerikanische Einflusssphären aufgeteilt, die sich nach Gründung von NATO und Warschauer Pakt, dessen
Führungsmacht UdSSR seit 1949 ebenfalls wie der Westen über Atomwaffen verfügte, auch sicherheitspolitisch
voneinander abgrenzten. Unmittelbare Folge des Kalten Krieges war u. a. die Teilung Deutschlands.
Rüstungswettlauf und Stellvertreterkriege
Vor dem Hintergrund des durch einen ruinösen Rüstungswettlauf ständig in seiner Vernichtungskraft gesteigerten
atomaren "Gleichgewichts des Schreckens" vermieden die Supermächte direkte militärische Konfrontationen, setzten
aber durchaus Militärmacht ein, um eigene Positionen zu verteidigen: Entweder durch eigenen Militäreinsatz
(USA: Korea-Krieg, Vietnam-Krieg; UdSSR: Afghanistan 1979) oder durch Unterstützung von Kriegsparteien in
Stellvertreter-Kriegen wie im Bürgerkrieg in Angola oder im Nahost-Konflikt. Sowohl bei der Berlin-Krise
(1948/49), als auch bei der Kuba-Krise (1962) standen sich UdSSR und USA allerdings ausnahmsweise direkt
gegenüber und das Kriegsrisiko war erheblich.
Im Rahmen des Kalten Kriegs wurde ferner ein vielfältiges Instrumentarium bei der Stärkung der eigenen
Positionen eingesetzt. Neben Propaganda, den Prestige-Wettbewerben in Raumfahrt und Sport, sowie handels- und
wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Stützung willfähriger Regierungen in der Dritten Welt, gehörten auch
umfangreiche Geheimdiensttätigkeiten zu den Mitteln des Kalten Krieges.
Beginn der Abrüstung
Mit dem Atomteststoppabkommen (1963) wurde eine langwierige, von zahlreichen Rückschlägen begleitete Phase
von Abrüstungs- und Entspannungs-Bemühungen eingeleitet, zu denen der Abschluss der SALT-Verträge
(1969 -1979), die 1. KSZE-Konfrrenz in Helsinki (1973) und der von US-Präsident Reagan und KPdSU-Generalsektär
Gorbatschow unterzeichnete INF-Vertrag (1987) gehörten. Der endgültige Zusammenbruch der Sowjetunion (1991) sorgte für ein
vorläufiges Ende des Konflikts. Dennoch scheint der Kalte Krieg gegenwärtig nicht gänzlich überwunden, zeigen sich doch
in den russisch-amerikanischen Interessenskonflikten (Syrien-Konflikt, Edward Snowdens angenommener Asylantrag, Krim-Krise 2014)
zunehmend diplomatische Drohgebärden, die an den Kalten Krieg erinnern.